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Shastar Vidya

Shastar Vidya (auch Shastar Vidyaa, Shastar= Waffe, Vidya= Wissen, Lehre, Wissenschaft) ist Teil der großen vedischen Tradion, die fast zehntausend Jahre zurückreicht. Yoga, Meditation, ayurvedische Medizin haben ebenfalls diese gleichen Wurzeln. Shastar Vidya ist die gesamte Kriegswissenschaft, vom Kampf Mann gegen Mann bis zur Strategie auf dem Schlachtfeld. Zusammen mit dem Buddhismus wurde sie in den Osten gebracht und wurde die Grundlage für die chinesische und japanische Kampfkunsttradition.

Shastar Vidya – Übungskampf

Es gibt keinen Autor oder anerkannten Lehrer, der diese Kriegskunst ursprünglich entwickelte, obwohl es in ihrer langen Geschichte viele große Meister gab. Der früheste war Krishna Maharaja. Man glaubt, er habe alle 16 Prinzipien des Vidyaa beherrscht. Die Mahabharata, die epische Geschichte eines Konfliktes in der vedischen Zeit, enthält zahlreiche Beschreibungen Krishnas und seines Könnens auf dem Schlachtfeld. Sie enthält den ersten bekannten Hinweis auf Shastar Vidyaa. Auch in der klassischen indischen Geschichte gibt es Persönlichkeiten. So wurde Ram Chander als Meister anerkannt, ebenso wie die Rajput Könige.

Rajputs und Guru Gobind Singh
Die Rajputs hatten um ihr Wissen von Shastar Vidyaa eine ganze Kultur entwickelt, die Jahrhunderte dauerte. Zu dem Zeitpunkt jedoch, als die Muslime in Indien einmarschiert waren, bestand ihre einstige stolze Kriegertradition nur noch aus Dogmen und Ritualen. Während dieser Zeit fand ein sehr wichtiges Ereignis statt. 52 der letzten noch übrigen Prinzen aus Rajastan wurden von den Muslimen gefangengenommen. Im verzweifelten Versuch, sie zu befreien, wandte man sich an Sikh Guru Gobind Singh aus dem Punjab um Hilfe. Er hatte viele Gefechte mit den Muslimen gehabt und hatte begonnen, seine eigene Armee aufzustellen. Guru Hargobind konnte die Prinzen befreien. Aus Dankbarkeit lehrten die Rajputs ihn und seine Armee Shastar Vidyaa.

Der zehnte spirituelle Meister der Sikhs, Guru Gobind Singh, setzte das Vidyaa in die Praxis um. Er schuf die Grundlagen des Sikh Dharma, indem er die spirituelle Tradition, die durch die neun aufeinander folgenden Sikh Gurus an ihn weitergegeben worden war, mit dem Wissen verband, das im Shastar Vidyaa enthalten war. Vor Guru Gobind Singh hatten die Sikhs ein einziges Heiliges Buch, das Adi Granth. Diesem fügte er zwei weitere Granths hinzu, das Sarab Lo Granth und das Dhasam Granth, die die Kriegstradition des Vidyaa enthalten. Die Verbindung dieser spirituellen und weltlichen Kräfte verkörperte sich in den Elitekriegern, den Nihangs. Durch die Stärke ihres Dharmas vertrieben die Nihangs schließlich die Muslime und Mogule aus Indien und schlossen Indiens Nordgrenze dauerhaft gegen Überfälle.

Ranjit Singh war ein König der Sikhs, der viele Jahre im Punjab regierte. Obwohl er ein kleiner und unbeholfener Mann war, warb er einige der dynamischsten Sikh-Krieger an, die es je gab und bildete sie aus. Seine Kampfkraft war so stark, dass er und seine mutigen Singhs die landhungrigen Briten bei ihrer Eroberung Indiens aufhielten. Trotz aller Mittel, die den Briten zur Verfügung standen, zogen sie es vor, keinen Einmarsch in den Punjab zu versuchen, solange Ranjit König war.

Shastar Vidyaa und die britische Kolonialzeit
Stattdessen ließen sie das Weltreich von innen zusammenbrechen. Traurigerweise war es durch den Reichtum und Wohlstand des Sikh Königreichs zugrunde gerichtet worden. Betrug, Mord und Verschwörung mit den Briten nach dem Tod des Ranjit hatten das einstige große Reich innerhalb von Tagen zu Asche gemacht. Die Briten brauchten nie einen Schuss abfeuern, um die Kontrolle über die Reichtümer des Punjab zu erlangen.

Selbst als der Punjab praktisch von den Briten versklavt war, stellten die Sikhs immer noch eine gefährliche Macht dar. Wieder infiltrierten die Briten die Sikhs, statt eine direkte Konfrontation und dadurch einen heiligen Krieg zu riskieren. Sie wollten Sikh Dharma zu einen Zweig des Christentums machen und damit die Sikhs für immer befrieden. Um den Dharma zu untergraben, wurden religiöse und politische Sikh Parteien geschaffen, die von den Briten kontrolliert wurden. Die beiden von Guru Gobind Singh verfassten Granths, die die Triade des Dharma bildeten, wurden aus den Tempeln entfernt. Sie wurden durch Tischorgeln, bekannt als Harmonium, ersetzt, um dem Sikh Gottesdienst eine christliche Stimmung zu verleihen. Jegliche Waffen wurden im Punjab verboten unter Androhung von lebenslangem Gefängnis und von Konfiszierung des Landes.

Die Akali Nihang Singhs schützten den Glauben seit der Zeit des Guru Gobind Singh. Nur sie besaßen das vollständige Wissen über die ursprünglichen Traditionen des Vidyaa und über die Geschichte des Sikh Dharma. Sobald dies die Briten erkannt hatten, wurden sie verfolgt und getötet. Bei ihrem Versuch, den Sikhismus zu vernichten, wurden mehr als 1500 dieser großartigen Krieger abgeschlachtet. Um das Dharma zu bewahren, wurden die klügsten Lehrer weggeschickt, um sich im Wald und den Dörfern des Punjab zu verstecken. Sie hatten die Aufgabe, in ihrem Leben fünf Schüler zu finden, um das Dharma an sie weiterzugeben.

Shastar Vidya heute
Heute ist Shastar Vidyaa in Indien praktisch vergessen. Von dieser einst großartigen Kunst ist nur eine Handvoll geeigneter Lehrer übrig, und von diesen sind viele jedoch zu alt um zu unterrichten. Und es gibt wenig Schüler, die gewillt sind, sich dem langen und schmerzlichen Prozess zu auszusetzen, den es braucht, um diese Wissenschaft zu beherrschen. Überreste von Shastar Vidyaa können in Nordindien als Gatka und im Süden in Kalaripayattu gefunden werden. Beides sind vereinfachte zeremonielle Versionen des Shastar Vidyaa, die bei religiösen Feiern und Sportereignissen verwendet werden.

Waffenbeispiele

Im Folgenden eine kurze Darstellung der Waffen im Gatka und Shastar Vidya:

Barcha
auch: Barchi, der Speer

Eine lange, spitze Waffe zum Stoßen und Schneiden. Die Speerspitzen könnten auch verwendet werden für Greifversuche oder um dem Gegner das Schild zu entreißen. Am anderen Ende ist auch eine kleine Spitze.

Chakra

auch: Chakram, Chacra, Chacar

Wurfscheibe

Es handelt sich um einen flachen Stahlring von ungefähr 12 bis 30 Zentimetern Durchmesser. Er ist zwischen einem und drei Zentimetern breit und das äußere Ende ist scharf. Die Scheibe ist normalerweise flach, manchmal auch kunstvoll eingelegt. Mehrere in verschiedenen Größen wurden oft auf einem spitzen Turban, dem dastar ungaa oder hinter dem Rücken getragen. Der Werfende steht seinem Ziel direkt gegenüber, er nimmt die Chakra zwischen Daumen und ersten Finger der rechten Hand und hält sie tief unten auf seiner linken Seite. Er dreht dann seinen Körper, so dass die rechte Schulter so weit wie möglich nach vorne kommt und wirft heimlich mit vollem Schwung seines Körpers. Wenn sie mit genug Kraft und Genauigkeit geworfen wird, kann sie einen grünen Bambus mit einem Durchmesser von einem halben Zentimeter aus einer Entfernung von 28 Metern abschneiden.

Siehe auch: Chakkar bei SikhWiki

Dahl
Schild

Es ist fast immer rund und kann einen Umfang von ca. 18 Zentimetern bis zu 70 Zentimetern haben. Manche sind fast flach, andere stark nach außen gebogen. Die Ränder können flach oder zurück gedreht sein in die umgekehrte Wölbung des Schilds. Es wird von zwei Griffen gehalten, die an Ringschrauben befestigt sind, die durch das Schild hindurchgehen und außen an den Knauf genietet sind, manchmal zu Spitzen geformt.

Zwischen den Griffen ist ein viereckiges Polster, gegen das die Knöchel gestützt werden können. Die Griffe sind so angebracht, dass sie bei einem festen Griff die Rückseiten der Finger gegen das Polster zwingen und so einen sehr festen und bequemen Halt geben. Diese Schilder sind fast immer aus Stahl oder Leder.

Gurj
auch: Keule

Bei indischen Keulen gibt es zahlreiche verschiedene Formen. Von einfach gebogenen Stahlstäben bis zu persisch beeinflussten Keulen mit Öffnungen an der Spitze, durch die beim Schwingen ein pfeifender Ton entsteht . Oft haben sie verdeckte Schwertgriffe wie das Khanda.

Kaman

Die meisten Bögen sind zusammengesetzt. Manche sind aus Stahl mit einem Holzblock an den Griffen. Sie haben die Form von zusammengesetzten Bögen und stoßen zurück, wenn sie gespannt werden. Andere sind aus bis zu neun Schichten Holz oder Horn.

Katar
auch: Coutar, Katha, Koutha, Kutha, Kutar

Rüstungen durchdringender Dolch

Das älteste und typischste indische Messer. Das Besondere ist der Griff, der aus zwei parallelen Stäben besteht, die mit zwei oder mehr Kreuzstücken verbunden sind, von denen sich eines am Ende der Seitenstäbe befindet und an der Klinge befestigt ist. Der Katar wird an die Hand gebunden um den Griff zu optimieren. Die Klingen sind immer doppelschneidig und im allgemeinen gerade, manchmal auch gebogen. Es gibt sie in allen Längen, von wenigen Zentimetern bis zu einem Meter. Besonders von den Mahrattas wurden europäische Klingen des 16. und 17. Jahrhunderts oft verwendet. Katars mit Originalklingen sind oft an der Spitze verdickt um sie für den Gebrauch gegen Rüstungen zu verstärken. Wenn europäische Klingen gebraucht werden , sind sie immer an die Herausragungen der Griffe genietet. Die einheimischen Klingen sind oft in einem Stück geschmiedet. Die Klingen sind manchmal an der Spitze geteilt und es gibt sogar drei Klingen. Die indischen Waffenschmiede machten manchmal Katars, die hohl waren und die als Hülle für kleinere dienten; oder mit drei Klingen, die zusammengefaltet werden konnten, so dass sie wie eine aussahen, bis die Griffe zusammengedrückt wurden und sie sich öffneten.

Khanda
auch: Khanda (zweischneidiges Schwert)

Das älteste und typischste der indischen Schwerter. Es besitzt eine breite, gerade Klinge, die sich normalerweise zur Spitze hin verbreitert. Die Spitze ist gewöhnlich ziemlich stumpf. Manchmal ist sie zweischneidig, es hat jedoch im allgemeinen auf einem beträchtlichen Teil seiner Länge eine verstärkende Platte mit Zierrändern auf der Rückseite. Der Griff besitzt eine breite schützende Platte und einen breiten Fingerschutz, der an den großen, runden und flachen Knauf angefügt ist. Auf dem Knauf ist eine Spitze, die als Schutz für den Arm und als Griff für die linke Hand dient, wenn ein Hieb mit zwei Händen ausgeführt wird. Er wird auch als Handstütze verwendet, wenn das Schwert ummantelt ist. Das Innere des Schutzes und des Fingerschutzes sind gepolstert.

Khanda ist auch ein anderes Wort für das Adi Shakti symbol.

Kirpan
auch: Kirphan (Dagger)

Das typischste Messer. Normalerweise hat es eine gebogene Klinge und sollte von jedem Sikh getragen werden. Durch die besonderen verwendeten Techniken wird diese Waffe besonders gefährlich. Das Wort „Kirpan“ hat zwei Wurzeln – die erste Wurzel „Kirpa“ bedeutet „Erbarmen, Gnade, Mitgefühl, Güte“ und die zweite Wurzel „Aan“ wiederum heißt „Ehre, Gnade, Würde“. Zusammen bedeutet das Wort also „die Würde und Ehre von Mitgefühl, Güte und Gnade“.

siehe auch: Kirpan at SikhWiki

Lathi
(Quaterstaff)

„Je schwerer die Zeiten, desto länger die Lathis“. Diese Waffe ist fast überall erhältlich und sehr gefährlich, wenn sie richtig benutzt wird. Lathis sollten so lang wie der Krieger sein. Das bevorzugte Material ist Eisenholz oder Eiche.

Marati
(Trainingsgerät/Hilfsmittel)

Das Marati ist ein Stock aus Bambus oder Rattan mit Holz- oder Stoffbällen am Ende. Er wird hauptsächlich zu Trainingszwecken verwendet, es gibt jedoch auch Varianten mit Klingen oder brennendem Tuch an seinen Enden, um Elefanten anzugreifen oder abzulenken und für psychologische Kriegsführung.

Sothi
auch: Soti, Gakta Sothi (Trainingsgerät/Hilfsmittel)

Das Soti ist aus feuergehärtetem Bambus oder Rattan hergestellt, ca. ein Meter lang und hat normalerweise einen Handschutz. Er wird hauptsächlich zum Üben und „Gatka spielen“ benutzt, den Übungskampf. Für den Kampf wurden sie durch Eichen- oder Eisenholzstöcke ohne Handschutz ersetzt.

Tabar
auch: Tapar (Kampfaxt)

Die gewöhnliche Axt oder Hacke des zivilen Lebens wurde zunächst als Waffe verwendet, bald wurden aber besondere Exemplare für den Kampf entwickelt. Kriegsbeile hatten alle Größen, leichten Waffen bis zu schweren Stabäxten, die den Gebrauch beider Hände erforderten. Die indischen Äxte sind im allgemeinen leichter als die europäischen und ihr Griff ist oft aus einer flachen Stahlplatte mit Holzstücken, die an jede Seite genietet sind. Gelegentlich ist ein Dolch im Griff versteckt und manchmal ragt ein scharfkantiger Haken an einer Seite heraus. Kombinationen aus Äxten und Pistolen waren ziemlich normal in Indien, dabei ist oft der Lauf der Pistole der Griff der Axt.

Talwar
auch: Tulwar, Tulwaur, Tarwar (Säbel)

Der indische Säbel, Klassenname. Zu ihm gehören praktisch alle gebogenen Schwerter, die in Indien verwendet werden. Diejenigen jedoch, die eine sehr ausgeprägte Krümmung haben, werden häufig mit ihrem persischen Namen bezeichnet, shamshir. Der Talwar ist das bekannteste Schwert in Indien und die Schneiden variieren sehr, was Größe, Krümmung und Qualität betrifft. Die Schwertgriffe haben kurze, schwere Stacheln und Scheibenknäufe. Manche haben Fingerschutz, manche nicht, manche sogar drei. Verschiedene andere Schwertgriffformen werden ebenso verwendet. Die Nihangs sind genauso sorgfältig im Umgang und nehmen genauso viel Mühe auf sich, um sie in Ordnung zu halten, wie die japanischen Samurai. Ein bekanntes Sprichwort sagt, dass eine wirklich verwerfliche Tat so „schändlich ist wie ein stumpfes Schwert.“ „Dies ist Sikh Kavallerie, die keine Stahlschwertscheide kennt, sondern nur Lederfutterale, in denen die Schwerter nicht stumpf und glanzlos werden, sondern bereit bleiben, wie es viele tiefe und grausige Schnitte an Sepoy Leichen bezeugen können“. (Majendie)

Tir

(Pfeil)

Die indischen Pfeile haben Stahlspitzen mit vielen verschiedenen Formen, mit Stielen, die in die Schäfte passen, die im allgemeinen aus Schilf sind. Die Pfeile sind oft bemalt und kunstvoll vergoldet. Die Pfeile haben drei Federn und Knochen- oder Elfenbeinnocken.

Shastar – Waffe

As Kirpaan Khando Kharg
Tupak Taba ar Teer
Saif Sarohee Saitee
Yahai hamaarai peer

(Einführungsmantra)

Shastar
Die im Shastar Vidya verwendeten Waffen werden als Shastar bezeichnet. Den Waffen wird höchster Respekt entgegengebracht, mehr sogar als dem Lehrer! Waffen werden an einem besonderen Ort gelagert und gezeigt. Man nähert sich ihnen respektvoll und verbeugt sich vor ihnen als wären es lebende Gegenstände. Der Glaube ist, dass diese Waffen direkt von Gott geschickt wurden und dass sie die Macht Gottes auf Erden offenbaren. Die Macht Gottes wurde so in die Hände des Menschen gelegt. Dies ist große Verantwortung und kann leicht missbraucht werden, selbst wenn man die besten Absichten hat.

Die Schwertmeditation
By Gatka Baij Nanak Dev Singh Khalsa

Seit Jahrhunderten wurde das Schwert von den Menschen als Symbol seiner Macht verehrt. Erst der Sikh Guru Hargobind offenbarte ein tieferes Verständnis davon. Er lehrte, dass das Schwert sowohl ein Symbol der zeitlichen als auch der spirituellen Macht war. Eine nähere Beschreibung gab Guru Gobind Singh: „Gott formte das gesamte Universum mit seinem Schwert“. Daher wird das Schwert als Urkraft des Universums angesehen.

Die Akali Nihang Singhs verehren das Schwert als Erscheinungsform von Gottes Macht. Durch die Schwertmeditation wird uns deren Segen gewährt. Und durch sie wird ihre unermessliche Kraft zum Gesetz, das unsere Gedanken und Handlungen leitet.

Die Energie des Schwertes wird Shakti genannt. Sie ist eine zyklische Energie von 2 ½. Diese ist die regulierende Kraft auf der physischen Ebene. Das Geheimnis der Schwertmeditation bedeutet die Beherrschung aller Aspekte der physischen Wirklichkeit.

Zum Zeitpunkt der Erschaffung befand sich der Schöpfer in einem tiefen Zustand der Meditation. Jedes Teilchen des Universums wurde durch diese Meditation mit dem Schwert gestaltet. Durch die Schwertmeditation gewährt der Schöpfer seinen Lebewesen die Macht der Schöpfung.

Jede Tat, unabhängig von ihrer Bedeutung oder ihrem vordergründigen Wert, ist ein Akt der Schöpfung. Jede Handlung wird zu einer Kriya (einem vollständigen und ausgewogenen Zyklus), jede Bewegung ein Mudra (eine Haltung, die eine bestimmte Energie zum Ausdruck bringt), jeder Gedanke eine Meditation. Der Schöpfer und die Schöpfung sind vereinigt in der Handlung, das ist Shakti Yoga.

Die Freude und die Feier dieses Moments der Meditation werden ausgedrückt in dem Mantra

” Wahe Guru Wahe Guru Wahe Guru “

Vidya – Wissenschaft

Wahe Guru Ji Ka Khalsa !

Wahe Guru Ji Ki Fateh !

(Gruß, Einführungs-Mantra)

Vidya

Das Wort “Vidyaa” bedeutet wissenschaftliche Disziplin. Rag Vidyaa zum Beispiel ist die Wissenschaft vom Rhythmus. Aus Rag Vidyaa kommen hunderte von “Ragas” oder Rhythmusmuster, die in der indischen klassischen Musik verwendet werden. Es ist das vollständige Wissen, das dem Menschen zur Verfügung steht über die Wirkungen des Rhythmus auf das Bewusstsein. Ein Musikstück ist nichts wert ohne das passende Raga, um genau die richtige Stimmung zu schaffen. Es gibt Menschen, die ihr ganzes Leben damit verbracht haben, diese Wissenschaft zu meistern. In den drei heiligen Sikh-Büchern werden über 300 Ragas erwähnt. Rad Vidyaa ist ein gutes Beispiel für die Tiefe und Weite des Wissens, das die vedische Tradition ausmacht.

Über die Quelle der Vedas wird seit vielen Jahren diskutiert. Mit Hilfe moderner Technik hat sich diese Diskussion heute jedoch beruhigt. Um 1850 entdeckte ein deutscher Archäologe namens Max Müller das, von dem er glaubte, dass es der Beweis für eine dramatische Veränderung in der indischen Kultur um 600 A.D. war. Dieses Datum setzt er an für die “vedische Periode”. Es ist auch das Datum, das für die Massenabwanderung der Menschen in Indien angesetzt wird. Müller war überzeugt, dass dies aufgrund einer Invasion einer überlegenen Rasse von Osteuropäern geschah, die er “Arier” nannte. Während der britischen Besatzung Indiens wurde die Theorie der arischen Invasion in die indische Geschichte aufgenommen. Die Briten fühlten sich psychologisch und moralisch im Recht mit dem Konzept, dass alle Weisheit in Indien von weißen Menschen stammte.

Das Wort “Arier” in Sanskrit (Arya) bedeutet ungefähr das, was das englische Wort “Gentlemen” bedeutet. Es hat nichts mit der Sprache, der Rasse oder Kultur zu tun. Es gibt Hinweise in einigen der ältesten vedischen Texte auf eine versunkene Stadt vor der Küste von Gujarat und einen geheimnisvollen verschwundenen Fluss Saraswati. Durch die Verwendung von Satellitenbildern wurden beide wiederentdeckt. Archäologische Datierungen wurden in der versunkenen Stadt Darwan und entlang der ausgelöschten Saraswati gemacht. Diese datieren die Gelände um 4000 v.Chr., was die vedische Periode tausende Jahre früher ansetzt als Müller annahm. Anders als die Ägypter und Römer oder die Griechen, hinterließen die Arier keine Spuren ihrer Existenz, außer in Indien. Die Auswanderung, die Müller aufdeckte, fand wahrscheinlich aufgrund von klimatischen Veränderungen statt, die den großen Saraswati langsam austrocknen ließen und das Volk des Indus dazu brachte auszuwandern. Die moderne Archäologie entdeckte möglicherweise den Beweis für Stämme von wandernden nomadischen Hirten, die wegen Osteuropa kamen. Sie hatten keine Kultur, keine Schriftsprache und keine eindeutige Geschichte. Bei ihnen handelt es sich wahrscheinlich um Müllers Arier.

Eine andere Bedeutung von Vidyaa ist “lebendige Wissenschaft”. Damit ist gemeint, dass die Vidyaa, was immer sie ist, auf das alltägliche Leben von alltäglichen Menschen angewendet werden kann. Es ist ein “Lifestyle”. Das berühmte Heilsystem Ayurveda ist ein gutes Beispiel. Die traditionelle indische Küche basiert nicht nur auf Ernährung, sondern auch auf heilenden Eigenschaften. Es gibt hunderte von “Masalas” oder Gewürzmischungen, die in der indischen Küche verwendet werden. Sie werden nicht nur wegen ihres Geschmacks ausgewählt, sondern auch wegen der Art von Energie, die sie im Körper hervorrufen. Die gleichen Masalas kann man in Getränken, Massageölen, Marmeladen, Räucherstäbchen finden. Wenn alle diese Aspekte auf einen bestimmten Zustand konzentriert werden können, ist die Wirkung gewaltig.

Shastra Vidyaa (Shastar Vidya), die Wissenschaft vom Kampf, ist eine lebendige Wissenschaft und kann von alltäglichen Menschen auf das alltägliche Leben angewandt werden. Genau wie Yoga und Meditation in früheren Zeiten häufig in Indien ausgeübt wurden, wurde auch Shastra Vidyaa praktiziert. Die Eigenschaften eines vornehmen Kriegers wurden als notwendig angesehen für ein erfolgreiches Leben. Guru Hargobind legte dies für die Sikhs durch die Vorstellung des Heiligen/Soldaten fest. Selbst heute noch ist dies weiterhin ein verbreitetes Thema im Sikhismus.